In der Gothaer Porzellanindustrie war die Firma Fr. Pfeffer über vier Jahrzehnte tätig. Am 20.August 1892 übernahm Fritz Pfeffer die Porzellanfabrik in der Breiten Gasse 7. Diese Fabrik hatte schon eine längere Vergangenheit. Es begann mit der Firma E. U. R. Friedrichs, gegründet am 19.April 1865, seit dem 1.März 1876 May & Lindner, seit 30.Juli 1887 Albert May, seit dem 4. Februar 1889 Heinrich Gräser Porzellanwarenfabrik. Briefkopf der Firma Heinrich Gräser In der kurzen Zeit, in der Heinrich Gräser als Besitzer der Porzellanfabrik in der Breiten Gasse eingetragen war, erlangte die Firma einen größeren Bekanntheitsgrad. Seine Puppenköpfe mit beweglicher Unterlippe meldete er als Patent an. Im Lexikon der deutschen Puppenindustrie ist zu lesen: „Fabrikation von Heinrich Gräser's Patentköpfen zu Puppen, welche den Mund auf und zu machen können, zu "Mama" und "Papa" sagenden Puppen, welche beim Sprechen die Lippen bewegen! Nicht zu verwechseln mit den früheren Puppen, bei welchen der ganze Unterkiefer beweglich war". Diese Puppenköpfe waren mit dem Deutschen Reichs- Patent (DRP) 54262 geschützt. Patentschrift Puppenkopf Heinrich Gräser Von Fritz Pfeffer wissen wir nur, dass er am 14. Dezember 1857 in Lauterbach (Oberhessen) geboren ist. Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er in einer Porzellanfabrik in Limbach. Fritz Pfeffer war verheiratet mit Johanne Katharine Pfeffer (geb. Dressel, geb. am 20. September 1861 in Limbach, verstorben am 24. März 1921 Gotha) und hatte fünf Kinder. Es wird überliefert, das Sie eine entfernte Verwandte von Gotthelf Greiner, dem Nacherfinder des Porzellans in Thüringen sein soll. Der bekannteste Sohn war wohl der am 2. März 1888 geborene und am 20. Juni 1946 im Speziallager Nr.2 in Buchenwald verstorbene, Friedrich (Fritz) Wilhelm Ludwig Heinrich Erich Pfeffer. Er war von 1924 bis 1933 Mitglied des Deutschen Reichstages und von 1933 bis 1939 fungierte er als Geschäftsführer der „Reichsgruppe Banken“. Ein weiterer Sohn war Hermann Pfeffer, über den in der Keramischen Rundschau von 1915 zu lesen war, dass er als "Leutnant der Reserve, Ritter des Eisernen Kreuzes, den Tod fürs Vaterland starb". Aus den Adressbüchern der Stadt Gotha ist zu entnehmen, dass Fritz Pfeffer mit seiner Familie seit 1893 in Gotha wohnte. Im Juli 1895 tritt der Kaufmann Fritz Weber als gleichberechtigter Mitinhaber der Firma bei. Anlässlich des erfolgten Eintritts des neuen Kompagnon, veranstaltete dieser eine Festlichkeit im Arnoldischen Restaurant für das Geschäftspersonal. Die Erzeugnispalette der Porzellanfabrik Fr. Pfeffer ist sehr umfangreich. Unter anderem fertigte man Tiere in Kopenhagener Art in Biskuit*, Nippes**(Genre Pfeffer), Vasen, Bonbonnieren, Puppenköpfe, Puppenglieder, schwimmende Badekinder, Nanking- Puppen, in Fayence***: Vasen, Jardinieren und Schreibzeuge. Die Fabrik stellte zur Leipziger Messe aus und unterhielt ein ständiges Musterlager in den Räumen der Firma Schröder & Pelzer, Ritterstraße 89 in Berlin. Ende der neunziger Jahre erweiterte der Besitzer Fritz Pfeffer die Räumlichkeiten und baute in der Brauhausstraße 11. Im Jahre 1899 berichtet darüber das Gothaische Tageblatt am 9. Mai.

„Die Porzellanfabrik des Herrn Weber und Pfeffer baut ein großes massives Wohnhaus am Eingang der Fabrik, welches gestern durch Richten des Daches im Rohbau vollendet wurde."

* Weichporzellan ohne Glasur mit nichtreflektierender Oberfläche
** Kleine Ziergegenstände aus Porzellan
*** feine gelbliche oder rötliche Tonware

Eingangstor der Porzellanfabrik Fr.Pfeffer Die alten Produktionsgebäude in der Breiten Gasse 7 kamen für weitere Fertigung nicht mehr in Betracht. Ein Teil der Fabrikgebäude sowie das Wohnhaus in der Brauhausstr. 11 stehen heute noch. Besonders sehenswert ist das Eingangstor des Wohnhauses, welches mit einer kunstvollen Kunstschmiedearbeit in Form einer Groteske, in der die Initialen von Fritz Pfeffer eingearbeitet sind, verziert ist. Der Bekanntheitsgrad der Firma stieg ständig. Aus Fachzeitschriften ist zu entnehmen, daß die Porzellanfabrik mit ihren allerliebsten Nippes auch als „Genre Pfeffer" bereits Weltruf erreicht hat. Die Fabrik besaß ein Musterzimmer in der Brauhausstraße, das sehenswert war. Zu dieser Zeit waren ca. 270 Arbeiter beschäftigt. Über das soziale Verhalten von Fr. Pfeffer gegenüber seinen Arbeitern und Angestellten ist nur sehr wenig zu erfahren. Die jährlichen Sommerfeste fanden im recht guten Einvernehmen zwischen Belegschaft und Leitung statt. In Bezug auf Arbeitszeit und Entlohnung gab es jedoch erhebliche Auseinandersetzungen. Im Jahre 1905 wurde in der Porzellanfabrik von Juli bis Oktober gestreikt. Dieser Streik erstreckte sich. Die Forderungen der Arbeiter in der Pfefferschen Fabrik waren unter anderem Akkordpreise, die einen Durchschnittsverdienst von vier Mark täglich ermöglichen, gleiche Akkordpreise für männliche und weibliche Arbeiter, Abschaffung der Heimarbeit. Es fanden einige Verhandlungen zwecks Beilegung des Streiks statt, die Streikenden gaben nach und nach auf. Am 7. April 1922 wird die Porzellanfabrik Fr. Pfeffer in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Das Grundkapital der Firma beträgt 700000 Mark. Als Geschäftsführer sind Max Pfeffer, Sohn von Fritz Pfeffer, und Fritz Weber eingesetzt. Der Bruder von Max Pfeffer. Rudolf Pfeffer und Paul Weber sind die Prokuristen der Firma. Kurz nach der Gründung der GmbH stirbt Fritz Pfeffer am 10.April 1922 im Alter von 64 Jahren. In den Nachkriegsjahren des Ersten Weltkrieges bekommt die Porzellanfabrik Fr. Pfeffer GmbH Umsatzprobleme, was sich jahrelang auf die Beschäftigtenzahl auswirkt. 1925 konnte der in München geborene Künstler Arnold Viegelmann als Hauptgestalter für die Fabrik gewonnen werden. Im Jahr 1930 ist die Zahl der Arbeiter in Folge der Wirtschaftskrise auf 120 geschrumpft. Anfang der dreißjger Jahre gestaltet sich der Verkauf von Porzellanprodukten zunehmend schwieriger. Konkursverfahren Porzellanfabrik Fr. Pfeffer Da es immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Max Pfeffer und seiner Frau Ilse gab, ist anzunehmen, dass Max Pfeffer zu dieser Zeit schon nicht mehr in der Firma tätig war und sich eine neue Wirkungsstätte suchte. Ilse Pfeffer machte die nicht mehr den Wünschen der Kunden entsprechende Gestaltung der Ware verantwortlich für die Absatzschwierigkeiten. Da ein großer Teil der Porzellanerzeugnisse in das Ausland geliefert werden, sind diese besonders von neuen Zollschutzbestimmungen und der Valutaentwertung betroffen. Im Inlandsgeschäft ist die bevorzugte billige Steingutware eine große Konkurrenz. Die Firma gerät dadurch in große Absatzschwierigkeiten. Es findet ein Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses am 29.Juni 1932 statt. Danach konnte sich die Firma Fr.Pfeffer GmbH nur noch zwei Jahre halten, am 9. Mai 1934 geht sie unwiderruflich in Konkurs. Monate später gründete llse Pfeffer (geb. Salzmann), Ehefrau von Max Pfeffer, am 1.Novenber 1934 eine Porzellanfabrik am gleichen Standort, unter ihrem Namen. Das Unternehmen fertigte kunstgewerbliche Figuren aus einem von der Firma neu in den Verkehr gebrachten Werkstoff „Keramail" an. Ein Jahr darauf wurden die Gebäude der Pfefferschen Porzellanfabrik an die benachbarte Arnoldische Brauerei verkauft. Laut Adressbuch der Stadt Gotha befindet sich die Porzellanfabrik Ilse Pfeffer bis in das Kriegsjahr 1945 in der Brauhausstraße 11. Es ist anzunehmen, dass die Firma das Gewerbe abmeldete. Max Pfeffer soll schon 1929 als Direktor der Ilmenauer Porzellanfabrik AG berufen worden sein und soll dort sehr gute Arbeit geleistet haben. Marke der Ilmenauer Porzellanfabrik In der geschichtlichen Aufarbeitung dieser Fabrik wird geschrieben: Max Pfeffer war ein kluger, umsichtiger Mann. In einer schlechten Zeit hat er die Fabrik übernommen und geleitet. Das die Fabrik auch diese kritische Zeit überlebt, ist mit sein Verdienst. In seinem Auftrag wurden Serien neuer Geschenkartikel entwickelt. Es entstanden eine Vielzahl von Vasen, Schalen, Körben, Dosen, Sammeltassen und Prunkteller. Diese Erzeugnisse fanden eine enorme Zustimmung bei den Kunden. Mehr als 30 Jahre wurde diese Kollektion gefertigt und im In- und Ausland verkauft. Ein Überbleibstel dieser Zeit ist das Kleeblatt im Logo der Ilmenauer Porzellanfabrik was für die Familie Greiner steht und von Max Pfeffer entworfen worden sein soll. Da seine Mutter eine entfernte Verwandte der Familie Greiner ist, trägt Max Pfeffer diesen Teil des Familienwappens weiter. 1934 schied Max Pfeffer aus dem Unternehmen aus, um zu der Steinzeugröhren und Schamottewarenfabrik Gebr. Böttcher Gmbh zu wechseln. Darüber wurde leider nichts überliefert. 1938 wurde er dann in die Heubach Lichte AG, als Direktor berufen und hat dort wahrscheinlich auch sehr gute Arbeit geleistet. Wie lange er dort tätig war, ist nicht bekannt. Im Jahre 1939 wurde ein Beamter mit dem Namen Max Pfeffer als Mitarbeiter in der EPIAG Porzellanfabrik Pirkenhammer aufgeführt. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um Max Pfeffer aus Gotha handelt.p>

Am Rand notiert:
Die Pfeffersche Porzellanfabrik hatte natürlich wie jeder andere Betrieb in dieser Branche Ausschuss und Porzellanbruch. Diesen Abfall deponierte man auf einer Freifläche in der Hansenstraße. Heute befinden sich an dieser Stelle Gärten. So mancher Gartenbesitzer findet heute noch beim Graben kleine Puppenteile und Porzellanscherben.

Zeittafel

  1. 1857 Fritz Pfeffer. am 14. Dezember 1857 in Lauterbach (0berhessen) geboren.
  2. 1892 Am 20.August 1892 übernimmt Fritz Pfeffer die Porzellanfabrik von Heinrich Gräser in der Breiten Gasse 7 / Gotha
  3. 1894 Max Pfeffer am 26.Juni 1894 geboren
  4. 1895 Kaufmann Fritz Weber ab Juli 1895 gleichberechtigter Mitinhaber
  5. 1897 Rudolph Pfeffer am 13.Mai 1897 geboren
  6. 1899 Neubau Wohnhaus Brauhausstraße 11
  7. 1905 Streik in der Pfefferschen Porzellanfabrik
  8. 1922 Eintragung in das Handelsregister am 7.April 1922 als GmbH Fritz Pfeffer am 10.April 1922 gestorben
  9. 1925 Der in München geborene Künstler Arnold Viegelmann wird Hauptgestalter der Fabrik
  10. 1934 Konkurs wegen Zahlungsunfähigkeit am 31.Oktober 1934
  11. 1934 Neugründung einer Porzellanfabrik am 1.November 1934 durch llse Pfeffer
  12. 1935 Verkauf des Grundstückes Brauhausstr.11 an die Arnoldische Bierbrauerei
  13. 1945 Porzellanfabrik Ilse Pfeffer nicht mehr nachweisbar